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Forum zur Europäischen Bürgerinitiative

Wie Influencer in den sozialen Medien dazu beitragen können, Schwung in Ihr Volksbegehren auf europäischer Ebene, die Europäische Bürgerinitiative (EBI), zu bringen

Warum die Zusammenarbeit mit Content Creators immer wichtiger für EBI wird

Eine der größten Herausforderungen für jede EBI besteht darin, Menschen über ihr bestehendes Netzwerk hinaus zu erreichen. Selbst bei Kampagnen mit großem Erfolgspotenzial kann es schwer werden, sich in überfüllten Online-Räumen Gehör zu verschaffen – erst recht über verschiedene Länder, Sprachen und Online-Gemeinschaften hinweg. 

In jüngster Zeit haben erfolgreiche EBI gezeigt, dass Content Creators (Influencer in den sozialen Medien) für die Sichtbarkeit, die Beteiligung und die Unterschriftensammlung im Internet ausgesprochen effektiv sein können. Ein vertrauenswürdiger Creator kann Ihre Initiative einem ganz neuen Publikum präsentieren, helfen, komplexe Themen leicht verständlich zu erklären, und die Menschen ermutigen, bei Ihrer Kampagne mitzumachen und sie weiter zu vermitteln. Ein einzelner Post, eine Story, ein Repost oder eine Erwähnung durch einen Creator kann einer Kampagne deutlich mehr Publizität verleihen und ihren Erfolg so stark beeinflussen.

Das ist im Internet besonders wichtig, da Plattformen dazu neigen, die Sichtbarkeit von Inhalten und Konten, die als „politisch“ gelten, zu beschränken. Darüber hinaus schneiden von Influencern unterstützte Inhalte oft gut ab, da die Nutzerinnen und Nutzer sich eher mit Inhalten auseinandersetzen, die von Stimmen geteilt werden, denen sie bereits folgen und die sie als vertrauenswürdig einschätzen. In der Praxis bedeutet dies, dass gut platzierte Kooperationen mit Influencern in den sozialen Medien Reichweite weit über die eigenen Kanäle Ihrer Kampagne hinaus erzielen können. 

Deshalb ist es wichtig, eine Content-Creator-Strategie zu erarbeiten, um Unterstützung für Ihre Kampagne zu gewinnen. Auch wenn der Erfolg stets von der Zeitplanung und davon abhängt, ob Dynamik entsteht, können nur Menschen, die sich für Ihre EBI interessieren und sich daran beteiligen, für Sichtbarkeit sorgen und auch andere zum Handeln bewegen.

Die Ziele für Influencer-Kampagnen definieren

Um einen Plan für die Zusammenarbeit mit Influencern in den sozialen Medien zu entwickeln, müssen Ziele und Erwartungen ebenso festgelegt werden wie ein klarer Weg, um Ihre Fortschritte zu bewerten und die Reichweite Ihrer Kampagne zu verfolgen. Hier einige Fragen, die Sie sich stellen sollten, bevor Sie Kontakt zu Content Creators aufnehmen.

Was möchte ich dadurch erreichen, dass ich Influencer für meine Kampagne an Bord hole?

Mehr Unterschriften erhalten, die Kampagne bekannter machen, die Followerzahl der kampagneeigenen sozialen Medien erhöhen, die Reichweite von Posts und das Echo auf diese verbessern usw.

Was sollen die Influencer für mich tun?

Ihr eigenes Publikum dazu bringen, sich mit dem Thema zu identifizieren und die Initiative zu unterzeichnen, ihr jeweiliges Publikum ermutigen, Ihrem EBI-Account zu folgen bzw. mit diesem zu interagieren, ihr jeweiliges Publikum über die Funktionsweise der EBI informieren, damit die Follower bereitwilliger unterzeichnen usw.

Welche Kampagnen inspirieren mich selbst?

Kampagnen, die erfolgreich ein jüngeres Publikum erreicht haben, Initiativen zum Aufbau großer Online-Communities, Creators, die komplexe Themen verständlich erklären, Kampagnen mit ansprechenden Kurzvideos, Creators, deren Ton, Werte oder Publikum mit denen Ihrer EBI übereinstimmen usw.

 

Je nachdem, in welcher Phase sich Ihre Kampagne befindet, können Ihre Antworten variieren, aber klar formulierte Ziele sorgen für die richtigen Erwartungen und stimulieren die Kreativität bei der Zusammenarbeit.

Erfassung relevanter Influencer in Ihren Zielländern

Content Creators können Botschaften auf lokale, regionale oder nationale Gegebenheiten ausrichten

EBI-Kampagnen müssen Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Online-Gemeinschaften erreichen. Auch wenn Ihre Kampagne eine klare zentrale Botschaft haben mag, können unterschiedliche Zielgruppen auf unterschiedliche Kommunikationsstile, Beispiele oder Prioritäten reagieren. Hier spielen Content Creators eine wichtige Rolle. Die Creators beherrschen Sprache, Tonfall, Referenzen, Humor, thematische Einordnung und Online-Kultur, die bei ihrem Publikum Resonanz finden.

Wenn den Creators die kreative Freiheit gegeben wird, Ihre EBI auf ihre eigene Weise zu erklären, können die Inhalte authentischer und ansprechender transportiert werden.

Publikum, Werte und Inhaltskategorie 

Um Influencerinnen und Influencer für Ihr Thema zu erfassen, reichen Sprache und Land als Kriterium nicht aus. Überlegen Sie:

Wie umfangreich ist ihr Publikum?

  • Der Umfang ihres Publikums wird sich wahrscheinlich auf ihre Bezahlung oder darauf auswirken, ob sie potenziell unentgeltlich mit Ihnen zusammenarbeiten werden.
  • Welchen Alters- und Interessengruppen oder Communities gehört ihr Publikum an?
  • Überschneidet sich dieses Publikum mit den Menschen, die Sie mit Ihrer EBI erreichen wollen?

Was sind ihre Werte?

Wo sind sie hinsichtlich Themen im Zusammenhang mit Ihrer Kampagne aktiv?

Welche Art von Inhalten gestalten sie?

Gibt es verwandte Communities, die ebenfalls mit Ihrer Initiative in Verbindung stehen könnten?

Könnten Lifestyle-fokussierte Creators – z. B. in den Bereichen Musik, Kochen, Sport, Gaming oder Kultur – dazu beitragen, Ihre EBI einem Publikum außerhalb von Räumen für politisch engagierte oder aktivistische Nutzerinnen und Nutzer vorzustellen?

Entscheiden Sie sich für einen realistischen Ansatz bei der Einbindung von Influencern

Denken Sie daran, dass Influencer möglicherweise Konten auf vielen Plattformen haben, jedoch nur auf einer oder zwei Plattformen besonders stark vertreten sind. Das ist wichtig, wenn Sie festlegen, welche Art von Inhalten Sie von ihnen erwarten und wie Sie sie ansprechen wollen. Darüber hinaus sind Inhalte, die mit dem Thema Ihrer EBI zu tun haben, auf einigen Plattformen möglicherweise stärker verbreitet als auf anderen. Ihre Kampagne aber sollte diversifiziert auf so vielen Plattformen wie möglich erscheinen. Einige Plattformen sind länderspezifisch, sodass eine Recherche, wo online über das Thema Ihrer EBI diskutiert wird, Ihnen Zugang zu den passenden Zielgruppen verschaffen kann.

Bei der Kontaktaufnahme zu Content Creators ist Ausdauer gefragt

Wenn Sie Kontakt zu Content Creators aufnehmen, ist das – insbesondere zu Beginn Ihrer Kampagne – oft ein Zahlenspiel: Viele Creators reagieren möglicherweise nicht, übersehen Ihre Botschaft oder haben einfach keine Zeit. Das ist ganz normal und sollte Sie nicht abschrecken.

Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, ein breites Spektrum von Content Creators zu kontaktieren, anstatt sich nur auf eine kleine Zahl großer und beliebter Accounts zu konzentrieren. Mikro-Influencerinnen und -Influencer haben oft sehr engagierte Follower und könnten offener dafür sein, bei Kampagnen zusammenzuarbeiten.

Die Öffentlichkeitsarbeit kann dadurch erleichtert werden, dass Sie ein einfaches Template vorbereiten, das für unterschiedliche Creators rasch personalisiert werden kann. Ihre Botschaft sollte in der Regel kurz und klar sein: Wer sind Sie, worum geht es bei Ihrer Kampagne, warum kontaktieren Sie diese konkreten Content Creators, und welche Art von Zusammenarbeit wünschen Sie sich.

Eine erfolgreiche Einbindung von Influencern hängt häufig von Ausdauer und Volumen ab, nicht so sehr von einigen wenigen großen Konten.

Bezahlte und Pro-bono-Zusammenarbeit 

Mehrere erfolgreiche EBI-Kampagnen wurden von Content Creators, die sich wirklich mit der Sache identifizieren, freiwillig oder unentgeltlich unterstützt. Für viele Organisatoren, insbesondere diejenigen, die mit begrenzten Mitteln arbeiten, kann dies die wichtigste Form der Zusammenarbeit mit Influencern sein.

Wenn Ihre Kampagne über ein Kommunikationsbudget verfügt, kann die Zuweisung eines Teils davon für die Creator-Kooperation helfen, Ihre Reichweite zu erhöhen und für ambitioniertere Inhalte sorgen. Bezahlte Kooperationen können es beispielsweise vereinfachen, während der gesamten Kampagne spezielle Videos, Erklärstücke, Livestream-Teilnahmen oder längerfristige Unterstützung zu vereinbaren. Selbst kleine Kooperationen können wertvoll sein.

Sie sollten die Creators motivieren, Ihre Kampagne von Anfang bis Ende zu unterstützen. Content Creators könnten zum Beispiel bereit sein, ihren Link zur EBI-Signatur für einen längeren Zeitraum zu ihrer Bio- oder Profilbeschreibung hinzuzufügen, um die Sichtbarkeit während der gesamten Kampagne zu wahren.

Möglichkeiten, um Influencer in Ihre Kampagne einzubeziehen

Frühere EBI haben gezeigt, dass Zusammenarbeits-Funktionen über Plattformen hinweg sehr effektiv sein können. Auf Instagram kann über die Funktion „Collab“ ein Beitrag oder Reel gleichzeitig sowohl im Kampagnen-Account als auch im Creator-Account erscheinen, wodurch Sichtbarkeit, Interaktionen und Publikum viel wirksamer kombiniert werden als bei einem Standard-Tag. Das kann die Reichweite und die Interaktionen erheblich verbessern, da die Follower beider Konten die gleichen Inhalte sehen und mit ihnen interagieren. Ähnliche kollaborative Posting-Funktionen gibt es auch auf TikTok und YouTube, darunter kollaborative Livestreams, geteilte Videos, Videos mit Duet-Feature (Anzeige zweier Videos nebeneinander), Stitches (Verwendung anderer Videos in eigenen Videos) und gemeinsame Content-Formate. Die Nutzung dieser Tools kann eine der wirksamsten Möglichkeiten für EBI sein, neue Zielgruppen unkompliziert zu erreichen und dafür zu sorgen, dass sich die Zusammenarbeit in den üblichen Stil eines Creators einfügt. Siehe etwa diese Beispiele bei YouTube und Instagram.

In der Anfangsphase einer Kampagne ist es wahrscheinlicher, dass das Engagement durch wiederholte Zusammenarbeit und Community-Interaktionen stetig zunehmen, als dass mit einem einzigen viralen Moment zu rechnen wäre. Inhalte von Influencern und Unterstützern können ebenfalls dazu beitragen, Ihre Kampagne auszuweiten. Beiträge, die zu Diskussionen und emotionale Reaktionen anregen oder Humor, Kreativität oder die Beteiligung der Öffentlichkeit fördern, haben größere Aussichten, plattformübergreifend geteilt und angepasst zu werden. Das kann Memes, Reaktionsvideos, Trend-Audios, TikTok-Stitches oder -Feeds, Instagram-Reels-Remixes, YouTube-Shorts-Remixes ebenso umfassen wie von Nutzerinnen und Nutzern um Ihr Kampagnenthema erstellte eigene Inhalte.

Plattform-Features wie Reposts bei Instagram oder Stitches und Duets bei TikTok können dazu beitragen, dass noch mehr Interaktionen stattfinden und sich mehr Menschen an der Initiative beteiligen. Das Hervorheben und Weitergeben nutzergenerierter Inhalte kann auch zu einem stärkeren Wir-Gefühl der Online-Community und einer Dynamik rund um Ihre EBI führen.

Influencerinnen und Influencer können sich auch auf folgende Weise an Ihrer Kampagne beteiligen:

1. Creator-Erklärvideos

Es gibt viele Creators online, die über Fachwissen in verschiedenen Bereichen verfügen. Sie können das Thema Ihrer EBI erklären, warum es wichtig ist und wie die Menschen sie in ihrem eigenen Ton und Stil unterstützen können. Dies ist besonders hilfreich, um komplexe oder juristische Themen leichter verständlich zu machen und die Online-Beteiligung zu erhöhen. So erstellte Creator Olive Badger beispielsweise ein YouTube-Video zu technischen Missverständnissen in Bezug auf die EBI „Stop Destroying Videogames“ („Videospielzerstörung stoppen“) aus Sicht der Software-Entwicklung. Die Berichterstatterin der Vereinten Nationen Francesca Albanese erläuterte auf Instagram die EBI „Justice for Palestine“ („Gerechtigkeit für Palästina“) aus Sicht einer Völker- und Menschenrechtsexpertin.

2. Videos zum Thema „Warum ich unterzeichnet habe“

Creators teilen ihre persönliche Motivation für die Unterstützung der Kampagne und ermutigen ihr Publikum, ebenfalls zu unterzeichnen. Diese Videos wirken oft authentischer und ansprechender als die Botschaften einer institutionellen Kampagne. So ermunterte beispielsweise ein Vizepräsident des Europäischen Parlaments, Nicolae Ștefănuță, die Menschen auf Instagram, die EBI „My Voice My Choice“ („My Voice, My Choice: Für einen Zugang zu sicheren Abtreibungen“) zu unterzeichnen, indem er seine Gründe für die Unterstützung der Kampagne darlegte.

3. Wiederholte Zusammenarbeit

Anstatt sich auf einen viralen Beitrag zu stützen, kann es für die Kampagnen von Vorteil sein, wenn die Creators die Initiative während der gesamten Kampagne regelmäßig erwähnen. Wiederholte Sichtbarkeit trägt dazu bei, im Laufe der Zeit Vertrautheit, Vertrauen und Dynamik aufzubauen. Die Künstlerin Severina unterstützte auf Instagram wiederholt die Kampagne für die “My Voice My Choice”-EBI, wie hier zu sehen ist, und nutzte dabei die mit der Initiative assoziierte Herz-Geste, während sie hier Unterschriften aus Kroatien an EU-Entscheidungsträger übergibt.

4. Livestreams, lange Video-Formate und Q & A

Die Creators können Livestreams oder Diskussionen mit Organisatoren veranstalten, um Fragen zu beantworten, das EBI-Verfahren zu erläutern oder das Thema eingehender zu erörtern. Diese Formate fördern die direkte Interaktion und das Engagement der Community. So veröffentlichte beispielsweise „Stop Destroying Videogames“ auf YouTube ein Video mit häufig gestellten Fragen zur Kampagne.

5. Nutzergenerierte Inhalte und Beteiligung

Kampagnen können die Unterstützerinnen und Unterstützer ermutigen, eigene Memes, Videos, Reaktionen, Fotos oder Geschichten im Zusammenhang mit der Initiative zu erstellen. Dies trägt dazu bei, dass Kampagnen über Online-Communities unkompliziert verbreitet werden. So verfügt beispielsweise „Stop Destroying Videogames“ über eine Wikipedia-Seite, zu der Unterstützer dieser EBI beigetragen haben. Kampagnen können auch die damit zusammenhängenden Inhalte anderer Nutzerinnen und Nutzer reposten, wie dies bei der EBI „HouseEurope“ („HouseEurope! Renovierungen jetzt!“) auf Instagram der Fall war.

6. Creators vernetzen und Dynamik schaffen

 Wenn mehrere Creators eine Kampagne öffentlich unterstützen, kann dies andere ermutigen, sich anzuschließen. Das Reposten der Inhalte von Creators, öffentlicher Dank an die Unterstützerinnen und Unterstützer und das Gefühl, dass gerade eine Bewegung entsteht, können dazu beitragen, online mehr Dynamik rund um die EBI zu schaffen. So wurde beispielsweise im Rahmen der EBI „Ban Conversion Practices“ („Verbot von Konversionsmaßnahmen“) eine Instagram-Story veröffentlicht, in der Unterstützerinnen und Unterstützern wie MdEP Chloé Ridel für die Befürwortung der EBI und die Verknüpfung ihrer Instagram-Konten gedankt wurde.

7. Sich bestehende Veranstaltungen und wichtige Termine zunutze machen

Creators und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sind bei Großveranstaltungen und internationalen Sensibilisierungstagen oft am aktivsten. Wenn Sie Ihre Kampagne auf diese Momente abstimmen, kann es leichter werden, Unterstützung zu erhalten und ein breiteres Publikum zu erreichen. So veröffentlichte beispielsweise die EBI „Justice for Palestine“ einen Instagram-Post zum Europatag am 9. Mai. Auch die Organisatoren von „Ban of Conversion Practices“ legten die Abschlussphase ihrer Kampagne auf den Internationalen Tag gegen Homophobie (17. Mai), an dem viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens (wie Emmanuel Macron auf seinem X-Account) Inhalte über LGBTQI+-Rechte teilten, was dazu beitrug, die Sichtbarkeit und Dynamik der Kampagne zu erhöhen. Weitere Informationen über die Erfahrungen der Kampagne „Verbot von Konversionsmaßnahmen“ finden Sie in diesem Blogbeitrag des EBI-Forums.

8. Toolkit für Creators

 Gebrauchsfertiges Material für Creators wie Visuals, Fakten, Links, häufig gestellte Fragen oder Ideen für Botschaften kann ihnen die Beteiligung erleichtern und es ihnen gleichzeitig ermöglichen, Inhalte an ihren eigenen Stil anzupassen. „Stop Destroying Videogames” hat ein Subreddit erstellt, das wichtige Ressourcen aus der Kampagne verlinkt, etwa die EBI-Seite auf der Website der Europäischen Union.

9. Lassen Sie Raum für Positives und Gemeinschaftsgefühl 

EBI-Kampagnen konzentrieren sich häufig auf schwerwiegende Themen, und ein ständiger Strom negativer Nachrichten kann beim Publikum Ablehnung hervorrufen. Möglichkeiten für Positives und Kontakte durch die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten aus Kunst und Musik sowie mit Kulturorganisationen kann Ihre Kampagne dabei unterstützen, ein neues Publikum zu erreichen und ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl aufzubauen. Ausstellungen, Konzerte und andere Veranstaltungen ermutigen die Teilnehmenden zudem, Inhalte zu generieren und ihre Erfahrungen mit ihren Communities zu teilen, wodurch Ihre Kampagne sowohl offline als auch online an Reichweite gewinnt. So wurde beispielsweise im Rahmen der EBI „Justice for Palestine“ ein Instagram-Post zu einem Gratis-Konzert erstellt. Darüber hinaus veröffentlichte die EBI „HouseEurope“ ein Video auf LinkedIn, in dem der Künstler Nikita Merkushin ein Kunstwerk zur Umgestaltung verlassener Gebäude vorstellt.

10. Mit Organisationen und Communities zusammenarbeiten – nicht nur mit einzelnen Personen

Social-Media-Partnerschaften sollten sich nicht auf einzelne Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und Influencer beschränken. Zeitschriften, Museen, Kulturorganisationen und Online-Communities können Ihre Kampagne ebenfalls verstärken. Diese Partner bieten oft Möglichkeiten, die über die digitale Werbung hinausgehen, wie Workshops, Wettbewerbe, Ausstellungen oder Veranstaltungsräume, die es den Unterstützern ermöglichen, sich auf verschiedene Weise sinnvoll an der Kampagne zu beteiligen. So arbeitete die EBI „HouseEurope“ beispielsweise mit Architekturorganisationen zusammen, um Workshops anzubieten und Wettbewerbe für junge Fachkräfte zu entwerfen, und verschaffte auf diese Weise nicht nur der Kampagne größere Aufmerksamkeit, sondern verwandelte auch die Online-Ansprache in praktische Beteiligung. „HouseEurope“ veröffentlichte auch einen Instagram-Post mit einer Kunstinstallation für die EBI bei einer Ausstellung. In einem weiteren Instagram-Post von ihnen bewarben sie ein Auswahlverfahren für die Wiederverwendung alter Gebäude.

Die Dynamik steuern und Ihre Fortschritte bewerten

Schlüsselparameter

Bei der Zusammenarbeit mit Content Creators ist es wichtig, genau hinzuschauen, welche Kooperationen, Plattformen und Inhalte dazu beitragen, dass Ihre Kampagne im Laufe der Zeit wächst.

Diese Nachverfolgung Ihrer Influencer-Strategie kann Ihnen helfen, Folgendes besser zu verstehen:

  • Welche Creators bewirken das größte Engagement?
  • Welche Beiträge führen zu mehr Sichtbarkeit oder Unterschriften?
  • In welchen Ländern oder Zielgruppen gibt es die aktivsten Reaktionen?
  • Welche Formate schneiden auf unterschiedlichen Plattformen am besten ab?

Der Erfolg wird nicht nur anhand der Zahl der Follower oder der Views gemessen. Kommentieren, Teilen, Reposten, Speichern, Klicken auf Links, direkte Nachrichten und nutzergenerierte Inhalte können allesamt Anzeichen dafür sein, dass sich Menschen aktiv an Ihrer Kampagne beteiligen.

Es kann auch sinnvoll sein, den Zuwachs bei den Unterschriften in den einzelnen Ländern mit dem Umfang Ihrer Bemühungen um die Einbindung von Content Creators in diesen Ländern abzugleichen. Gewinnt beispielsweise eine Kampagne durch die Creator-Zusammenarbeit in einer bestimmten Sprache oder Region plötzlich an Sichtbarkeit, kann Ihnen dies dabei helfen, Strategien zu ermitteln, die an anderer Stelle wiederholt werden könnten.

Die regelmäßige Nachverfolgung der Ergebnisse kann zu einer rascheren Anpassung Ihrer Kampagne beitragen – damit sich der eigene Aufwand dort konzentriert, wo er am meisten bewirkt.

Herausforderungen meistern 

Im Verlauf der Kampagne könnten Sie auf eine Reihe von Hindernissen stoßen, die eine innovative Problemlösung sowie ein Team erfordern, das rasch reagiert. Wie Nika Kovač von „My Voice My Choice“ in ihrem Interview mit dem EBI-Forum betont: Influencer öffnen Türen, Freiwillige und nationale Teams gehen durch sie hindurch und sammeln die Unterschriften.

Zu Momenten, in denen die Aufmerksamkeit – egal, ob positiv oder negativ – steigt, kann es rasch kommen. Ein Post kann plötzlich an Zugkraft gewinnen, ein Creator kann Ihre Initiative unerwartet unterstützen, oder öffentliche Debatten und Kritik können Ihrem Thema neue Sichtbarkeit verleihen. Dann ist es wichtig, schnell zu reagieren, mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben und es den Menschen so leicht wie möglich zu machen, mehr über Ihre EBI zu erfahren und sie zu unterzeichnen. Die konstruktive Zusammenarbeit mit Menschen, die Vorbehalte gegenüber Ihrer Idee haben, ist ebenfalls Teil des Zwecks der EBI: Sie schafft Raum für öffentliche Debatten in ganz Europa. Dieser Austausch kann Ihnen helfen, neue Unterstützer zu finden oder zumindest Ihre Botschaft klarer zu machen und Ihre Kampagne zu optimieren. Kampagnen, in denen kreativ und strategisch reagiert wird, können Aufmerksamkeit im Internet häufig am ehesten in Richtung langfristiger Dynamik und Beteiligung weiterentwickeln.

Für weitere Informationen zum Krisenmanagement schauen Sie sich diesen Blogbeitrag des EBI-Forums und diesen Leitfaden zur Team-Struktur an.

Transparenz und Regeln für politische Werbung

Die Vorschriften für bezahlte politische Werbung auf großen Online-Plattformen werden immer strenger, insbesondere innerhalb des EU-Rechtsrahmens für die Transparenz und das Targeting politischer Werbung. Daher können einige Plattformen bezahlte politische Inhalte und geförderte Beiträge einschränken, kennzeichnen oder zusätzliche Maßnahmen für mehr Transparenz verlangen.

Für EBI-Organisatoren bedeutet dies, dass sie sowohl die plattformspezifischen Vorschriften als auch die einschlägigen nationalen Vorschriften verstehen müssen, wenn sie mit bezahlten Creator-Kooperationen oder beworbenen Inhalten (boosted content) arbeiten. Gesponserte Partnerschaften müssen offengelegt werden, und die Kampagne sowie der Creator können gemeinsam dafür Verantwortung übernehmen, dass die Inhalte korrekt gekennzeichnet werden. 

Eine saubere Dokumentation bezahlter Kooperationen, gesponserter Beiträge und Vereinbarungen mit Content Creators tragen dazu bei, dass Kampagnen transparent bleiben und spätere Komplikationen vermieden werden.

Wichtigste Erkenntnisse

Die eine Erfolgsformel für Creator-Kampagnen gibt es nicht. Einige Kampagnen wachsen durch einige wenige stark engagierte Creators, während andere durch größere Netze kleinerer Unterstützer- und Online-Communities erfolgreich sind. Die wirksamsten Strategien sind oft die flexiblen und authentischen und mit denen darauf eingegangen wird, wie Menschen sich auf natürliche Weise online engagieren.

Letztlich geht es bei Influencer-Kampagnen nicht nur um Sichtbarkeit. Es geht darum, Vertrauen, Beteiligung und unterstützende Communities rund um Ihre EBI aufzubauen. Mit Kreativität, Beharrlichkeit und den richtigen Partnerschaften können Content Creators zu den intensivsten Verstärkern Ihrer Kampagne werden und dazu beitragen, Aufmerksamkeit im Internet in Unterschriften und echte Dynamik zu verwandeln.  

Checkliste

Legen Sie Ziele und Rollen für Ihr Team in Bezug auf Influencer-Kampagnen fest.

Informieren Sie sich bei Influencern über die Rechtsvorschriften der EU und der Mitgliedstaaten zu bezahlten Inhalten in den sozialen Medien.

Erfassen Sie EU-weit relevante Influencerinnen und Influencer zu breit angelegten und intersektionalen Themen im Zusammenhang mit Ihrer EBI.

Planen Sie das Format für Öffentlichkeitsarbeit und Zusammenarbeit und legen Sie realistische Erwartungen fest.

Erfassung der Kontaktaufnahme zu Influencern und Nachverfolgung ihrer Ergebnisse. 

Ermitteln Sie erfolgreiche Kooperationen und skalieren Sie sie nach Möglichkeit.

Passen Sie Ihre Strategie auf der Grundlage der Faktoren an, die zu mehr Engagement, Sichtbarkeit und Unterschriften führen!